Informiert im Gesundheitswesen

Schmerzmittel sind viel zu billig

Fotolia_39551717_XSIn der «Frankfurter Allgemeine» vom 27. Juni geht eine Journalistin unter dem Titel «Es gibt keine harmlosen Schmerzkiller» den «Kollateralschäden» von Acetylsalicylsäure, Paracetamol, Diclofenac und Ibuprofen nach. In Deutschland würden so viele Schmerzmittel konsumiert, dass man mit der Menge zehn Millionen Deutsche ein Jahr lang täglich versorgen könnte. Wer den Artikel zu Ende liest, wird nicht so schnell wieder zur Schmerzmittelpackung greifen. Von Bösen Folgen auf Herz und Kreislauf, Leber, Nieren, das ungeboren Kind etc. ist die Rede. Es sei kaum übersehbar, für welchen Anteil der Alters- und Zivilisationskrankheiten die genannten Schmerzmittel verantwortlich seien.

Nun ja, alle Medikamente haben gewisse unerwünschte Wirkungen, insbesondere wenn sie im Übermass konsumiert werden. Freiverkäufliche Schmerzmittel nun in Bausch und Bogen zu verdammen und sie gar für Alters- und Zivilisationskrankheiten verantwortlich zu machen, ist verfehlt. Was wäre bei den Schmerzmitteln denn die Alternative? Wollen wir jeden, den es irgendwo zwickt, auf Opiate setzen? Doch wohl nicht.

Das Problem liegt nicht bei den Nebenwirkungen der gängigen Schmerzmittel, die zudem seit Jahrzehnten bestens bekannt und in millionenfacher Anwendung erprobt sind. Das Problem liegt darin, dass diese Schmerzmittel nichts mehr kosten dürfen. Dank staatlichen Interventionen bewegen sich die Preise nur noch knapp über dem Nullpunkt. Wenn für eine Packung Paracetamoltabletten gerade mal schäbige 2.40 Franken und für die Kinderdosis sogar nur lächerliche 1.40 Franken auf den Tresen gelegt werden müssen, darf man sich nicht wundern, wenn der Konsument die Gefahr, die auch in an sich harmlosen Präparaten steckt, nicht ernst nimmt. Was so billig ist, kann keine grosse Sache sein, denkt sich Otto Normalverbraucher, und wenn die Tabletten – wie das Politiker und interessierte Grossverteiler gerne hätten – dann auch noch neben Kaugummi und Ricola (beide teurer als Schmerzmittel!) vom Regal genommen werden können, ist es erst recht vorbei mit dem Respekt vor dem Produkt Medikament.

Wer Billigstpreise für Medikamente und den Verkauf über jeden Krämerladen fordert, ist mitverantwortlich für unkontrollierten Konsum. Das hat nichts mit den Nebenwirkungen der Medikamente zu tun, sondern ist der «Kollateralschaden» einer kurzsichtigen, einseitigen und unüberlegten Tiefstpreispolitik. Freiverkäufliche Schmerzmittel gehören in die Hand des Apothekers, der entsprechend beraten kann. Und er muss für seine Dienstleistungen adäquate Preise verlangen können. So einfach wäre das, wenn man nur wollte.

27. Juni 2014

Foto © stockWERK – Fotolia.com

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